Brainspotting bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und nach der Geburt
Der Wunsch nach einem Kind, eine Schwangerschaft oder die Zeit nach der Geburt gehören zu den tiefgreifendsten Übergängen im Leben. Körper, Nervensystem, Identität und Beziehungsmuster verändern sich gleichzeitig. Für viele Frauen ist diese Phase nicht nur von Vorfreude geprägt, sondern auch von Unsicherheit, Angst, Überforderung oder dem Wiederauftauchen früherer belastender Erfahrungen.
Brainspotting ist ein neurobiologisch fundiertes, körperorientiertes Therapieverfahren, das in diesen sensiblen Lebensphasen unterstützend eingesetzt werden kann. Es arbeitet nicht primär über kognitive Verarbeitung, sondern über die feine Wahrnehmung dessen, was sich im Nervensystem zeigt – auch dann, wenn Worte fehlen oder Erfahrungen schwer einzuordnen sind.
Brainspotting beim Kinderwunsch
Ein unerfüllter oder belastender Kinderwunsch kann mit hohem innerem Druck, Schuldgefühlen, Ohnmacht oder chronischer Anspannung einhergehen. Auch medizinische Behandlungen, Fehlversuche oder Verlusterfahrungen hinterlassen häufig tiefe Spuren im Körpergedächtnis.
Brainspotting kann unterstützen bei:
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emotionalem Stress rund um den Kinderwunsch
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wiederkehrenden Enttäuschungen oder Verlusten
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innerem Druck, „funktionieren zu müssen“
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Ängsten, Kontrollthemen oder Erschöpfung
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der Aktivierung früherer traumatischer Erfahrungen
Die Arbeit erfolgt ressourcenorientiert und achtsam. Ziel ist nicht, etwas zu erzwingen, sondern das Nervensystem zu entlasten und innere Stabilität zu fördern.
Brainspotting in der Schwangerschaft
Die Schwangerschaft ist eine Zeit erhöhter neurobiologischer Sensibilität. Frühere Erfahrungen, auch lange zurückliegende, können sich plötzlich melden – körperlich, emotional oder in Form von Ängsten.
Brainspotting kann in der Schwangerschaft hilfreich sein bei:
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Ängsten vor der Geburt oder vor Kontrollverlust
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starker innerer Unruhe oder Daueranspannung
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psychosomatischen Beschwerden ohne klare Ursache
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der Aktivierung früherer medizinischer oder biografischer Traumata
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ambivalenten Gefühlen gegenüber Schwangerschaft oder Mutterschaft
Die Arbeit erfolgt sanft, langsam und streng am Erleben der Schwangeren orientiert. Stabilisierung, Selbstwahrnehmung und innere Sicherheit stehen im Vordergrund.
Brainspotting nach der Geburt
Nicht jede Geburt wird als stärkend oder verbindend erlebt. Auch nach medizinisch unauffälligen Geburten können Gefühle von Erschöpfung, Fremdheit oder innerer Leere auftreten. Nach schwierigen oder traumatischen Geburten sind diese Reaktionen häufig intensiver.
Brainspotting kann nach der Geburt unterstützen bei:
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belastenden oder traumatischen Geburtserlebnissen
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Notkaiserschnitt, langen oder schmerzhaften Geburten
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Gefühlen von Kontrollverlust oder Ohnmacht
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Flashbacks, Schuldgefühlen oder innerem Erstarren
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Schwierigkeiten, im eigenen Körper wieder anzukommen
Das Verfahren ermöglicht eine behutsame Integration des Erlebten, ohne die Betroffene erneut zu überfordern.
Brainspotting nach traumatischen Geburten
Bei Geburtstraumata ist das Erleben häufig fragmentiert. Der Körper erinnert sich, auch wenn Worte fehlen oder Erinnerungen nur bruchstückhaft vorhanden sind.
Brainspotting nutzt die Verbindung zwischen Augenposition, Gehirnaktivität und Körperwahrnehmung, um diese impliziten Stressspuren zugänglich zu machen – in einem geschützten therapeutischen Rahmen.
Im Fokus stehen:
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Regulation des autonomen Nervensystems
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Wiederherstellung von innerer Sicherheit
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Integration statt Verdrängung
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Stärkung von Selbstwirksamkeit und Körperkontakt
Die Klientin behält jederzeit die Kontrolle über Tempo und Tiefe des Prozesses.
Haltung und Sicherheit
Gerade in Schwangerschaft und nach der Geburt ist es zentral, dass therapeutische Prozesse nicht erneut Grenzen überschreiten. Brainspotting legt großen Wert auf:
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Transparenz und klare Absprachen
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jederzeitige Unterbrechbarkeit
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Respekt vor körperlichen und emotionalen Signalen
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die Autonomie der Klientin
Die Therapie orientiert sich stets an dem, was im jeweiligen Moment tragfähig ist.
Zusammengefasst
Brainspotting kann bei Kinderwunsch, in der Schwangerschaft und nach der Geburt ein unterstützender Weg sein, um:
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das Nervensystem zu stabilisieren
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belastende Erfahrungen zu integrieren
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innere Sicherheit zu stärken
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den Kontakt zum eigenen Körper zu vertiefen
Nicht durch Konfrontation, sondern durch achtsames Wahrnehmen und Regulation.
